Die träge Wintersonne drang durch die Fenster des Terminal 2 und blendete B. Langsam zog er die Sonnenbrille ins Gesicht  als  die Reihe am Check In endlich in Bewegung geriet. Nach ca. 20 cm war wieder Schluss. Die ältere Dame vor ihm begann einen Satz um mit ihm ins Gespräch zu kommen,  brach ihren Versuch jedoch abrupt ab als sie seinen angewiderten Gesichtsausdruck bemerkte. Tief in Gedanken versunken folgte er alle paar Minuten der Schlange aus Koffern und Freizeitbekleidung…Er dachte dabei an seine Kindheit und an die Würmer im Garten der Eltern… Nach Regenschauern hatte er als 7 Jähriger immer gewartet bis sie aus dem Boden kamen und mühsam ein Stück durch das Gras krochen bevor er sie schliesslich mit starrer Genugtuung  zertrat und sich dann verstohlen umschaute… Keine Zeugen ! Gut !… Endlich stand er vor der Bodenstewardess… “ Nur das Handgepäck ?“, fragte sie etwas unsicher.  “ Ja „, entgegnete er.  “ Fensterplatz ?….Ja….Ok, Sitz 17 A , Boarding Time 18:30, Gate 33. Guten Flug… Gleichmütig ließ er die Kontrollen über sich ergehen und saß kurz darauf im Wartebereich des Gate 33… Im Kopf ging er nochmal alles durch: Den Abschiedsbrief an seine Frau hatte er auf den Küchentisch gelegt…Sie würde sich nach seinem Ableben keine finanziellen Sorgen machen müssen. Das Haus war seit Jahren abbezahlt.  Als Redakteurin eines Lifestyle Magazins für Menschen ab 40 war sie unabhängig und würde zusätzlich noch eine üppige Witwenrente kassieren. Sie käme sicherlich schnell über seinen Tod hinweg. In den letzten Jahren stand es um ihre Beziehung eh nicht zum Besten….er atmete tief durch…Es gibt kein Zurück mehr !!! Bei diesem Gedanken löste sich allmählich der Druck in seinem Kopf. Wochenlang hatte er das Gefühl Schrauben würden in seinem Kopf unaufhörlich angezogen. Jetzt, ganz langsam, überkam ihn so etwas wie Erleichterung. Erleichterung die man verspürt wenn der vor einem liegende Weg klar, deutlich und endgültig ist. Kein Schlupfloch, kein Wenn & Aber, keine Lebenslügen mehr…“ Flight 757 to Barcelona ready for boarding at gate 33 .“ Wie ein Taucher, der nach langem Aufstieg letztendlich durch die Wasseroberfäche stößt, kam er aus der Tiefe seiner Gedanken zurück in die Wirklichkeit.  Kurz darauf nahm er seinen Platz in Reihe 17 ein und beobachtete durch das kleine Seitenfenster das Gewusel der Tank- und Catering Fahrzeuge auf dem Flugfeld. Schnell hatte er genug gesehen und zog ein Reisemagazin aus dem Netz vor ihm. Auf dem Titelblatt war ein Foto der Sagrada Família. Er mochte dieses Bauwerk.  Vielleicht weil es wie er bisher nie wirkich fertig wurde. Zumindest war er der Meinung in seinem Leben noch nie etwas von Wert zu Ende gebracht zu haben…Diesmal würde Er etwas von Bedeutung tun ! Bis ins Detail hatte er seinen Sprung geplant. Von seinem Hotel etwas ausserhalb der Stadt brauchte er ca. 15 Minuten mit der U-Bahn bis zur Haltestelle an der Avinguda de Gaudí. Er würde morgens sofort nach dem Einlass um 09:00  die Touristentour bis auf die Türme in 80 Meter Höhe machen. Von seinen früheren Besuchen wusste er, dass sich die Sicherheitsgitter leicht überwinden liessen…  Was für ein Abgang ! Vor seinem geistigen Auge sah er schon die Schlagzeile:  Suicidio en la Sagrada Família !!! Ein breites Lächeln überzog sein Gesicht. Mit einer gewissen Freude steckte er das Magazin zurück ins Netz, ließ sich in den Sitz sinken und schloss die Augen…Er dachte an den exzentrischen katalanischen Architekten Antoni Gaudí der 1926 von einer Straßanbahn überfahren wurde und starb…Was mag er wohl im letzten Augenblick seines Lebens gedacht haben ?….Dann nickte er ein….

Fortsetzung folgt…

Globalautist

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