B’s Taxifahrer schien ein Fatalist zu sein. Ohne einmal in den Rückspiegel zu sehen  fuhr er Kilometer für Kilometer durch den mörderischen Nachtverkehr Barcelona’s. B saß mit ausgebreiteten Armen auf dem Rücksitz, sog die kühle Luft durch das halb geöffnete hintere Seitenfenster ein und nahm alles um ihn herum mit halb geöffneten Augen wahr. Früher genoss er diesen Moment immer besonders. Wenn die Nacht noch jung war und er sich neugierig und mit einem Kribbeln im Bauch auf den Weg machte,  um allein oder mit Freunden in irgendeiner Großstadt um die Ecken zu ziehen. Die Nacht barg damals soviel Geheimnisse die es zu enthüllen und Geschichten die es zu erleben galt…Doch heute war alles anders… Es gab nichts auf das er noch neugierig war, und wenn dieses verdammte enge Hotelzimmer ihm nicht die Luft zum atmen genommen hätte, säße er wohl inzwischen mit seinem 7. doppelten Osborne benebelt vor der geöffneten Minibar und würde gelegentlich von dort zum viel zu hoch angebrachten TV hochschauen, ohne im nächsten Moment zu wissen was er dort vor 2 Sekunden gesehen hatte… Die Taxifahrt tat gut…Nach ungefähr einer Stunde in der er und der Fahrer nicht ein Wort gewechselt hatten, bemerkte B. wie der Fahrer immer wieder mit prüfendem Blick in den Rückspiegel sah…es war Zeit auszusteigen. Irgendwo inmitten der Stadt gab B. ein Zeichen anzuhalten und ihn rauszulassen. Da der Taxameter noch nicht bei 100 Euro angelangt war, winkte B. nur müde ab als der Fahrer abrechnen wollte…Unschlüssig betrat B. eine Bar wie man sie in jeder Großstadt findet.  Das Publikum bestand weitestgehend aus Frauen und Männern ab 30 aufwärts, alle gemäß dem Business Dresscode gekleidet, die die Happy Hour doch mächtig nach hinten ausgedehnt hatten.  Er fiel hier überhaupt nicht auf und nur der Barkeeper nahm ihn wahr als er sich auf einen Hocker am linken hintern Ende der Theke setzte. Die Geräuschkulisse nahm er wie in Watte wahr und als der Barkeeper ihn nach seinem Drink fragte zuckte er leicht zusammen.  “ Con algo hay que empezar „,  murmelte er auf Spanisch (… mit irgendetwas muß man beginnen…) und bestellte einen White Russian…Der Barkeeper quittierte seine Bestellung mit einem kurzen,- hier bist du richtig -suggerierendem Kopfnicken und holte aus der schier unerschöpflichen  Auswahl an Flaschen zielsicher Kahlúa, Wodka und eine Packung Milch aus dem “ Frigorífico „.  B. hatte Schweißperlen auf der Stirn…Mit dem White Russian in der Hand fühlte er sich wohler und begann vor allem die Frauen in der Bar zu mustern. Männer langweilten ihn meistens und er registrierte sie eher als Staffage. Frauen hatten in seinem Leben immer einen großen Raum eingenommen und mit zunehmendem Alkoholpegel war er nun geneigt auch was die Frauen betraf, ein Resümee zu ziehen…Er musste blöde in sich hineinlachen als ihm der Gedanke an seine erste Liebe kam…Zwei Frauen die in seiner Nähe standen unterbrachen ihre lautstarke Unterhaltung, musterten ihn und führten lächelnd ihren “ Smalltalk “ fort. Er war 15 als er sich unsterblich in das Mädchen auf dem Schulhof verliebte . Nach wochenlangem Zögern und unter dem Druck seiner Freunde aus der letzten Bank hatte er sich ein Herz gefasst und einen “ Plan “ entworfen, wie er sie vor der Schule auf dem Busbahnhof abfangen und auf die Party am Wochenende einladen würde. Das konnte sie ihm nicht abschlagen ! !  Der Morgen kam und mit zitternden Knien stand er schließlich vor ihr. Dummerweise war ihre Freundin auch dabei. Die Clearasilbeauties schauten sich grinsend an…Oh Gott ! Nachdem er ca. 2 Minuten irgendetwas Unverständliches gestammelt hatte brach aus ihm die ziemlich idiotische Frage heraus: “ Bist Du noch frei ? „. Seine Angebetete kicherte nur und sagte: “ Nein „. Dann gingen beide grinsend weiter während seine “ Schulfreunde “ , die hinter einer Litfassäule alles mitbekommen hatten, sich totlachten. Augenblicklich versank er im Boden und alles um ihn herum schien zusammenzustürzen…Wochenlang war er nicht mehr ansprechbar, so dass seine Eltern schon mit ihm zum Arzt wollten… “ Wieso zum Teufel denkst du ausgerechnet jetzt an so einen banalen Mist ? „,  fragte er sich und bestellte noch einen White Russian…

Fortsetzung folgt…

Globalautist

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