Oostende Tom Geb.,Limburg,Akademie Stein,FT März-Mai 2005 072Alle 5 Minuten raste unter höllischem Lärm ein U-Bahnzug  in die Station. Noch eben drohte Hamid’s Mission zu scheitern, doch die Beamten zogen nach der Passkontrolle weiter. Sein Puls legte sich wieder etwas.  Er fasste sich ein Herz und stieg in einen mit Berufspendlern und Studenten vollbesetzten Zug. Die Enge und unmittelbare Nähe von Menschen war ihm unangenehm und es legte sich so etwas wie Beklemmung auf seine Brust. Er vermied jeglichen Augenkontakt und versuchte so gut es ging die Menschen um ihn herum zu ignorieren. Ein Blick auf die Uhr: 07:33… Hamid ertastete unter seiner Jacke den Auslöser des Sprenggürtels. Schweissperlen bildeten sich auf seiner Stirn als er die Sicherung des Auslösers so wie sie es immer geübt hatten entfernte. Endlich war der Moment gekommen und in ihm machte sich plötzlich eine tiefe innere Ruhe breit. Die Geräusche um ihn versanken allmählich. Er nahm sie nur noch wie durch einen Wattebausch wahr. Bilder von seinen Eltern gingen ihm durch den Kopf, Szenen seiner Kindheit, lange in Vergessenheit geglaubt,liefen vor seinem inneren Auge ab. Die Bilder liefen immer schneller und langsam führte er eine Hand unter der Jacke zum Zünder. Er schloss die Augen und biß sich fest auf die Zunge, so dass er Blut in seinem Mund schmeckte…mit einer ruckartigen Bewegung löste er den Zünder aus…für einige Sekunden schien Alles stillzustehen…Der Zug hielt, die Türen öffneten sich. Hamid öffnete die Augen und sah wie sich der Schwall von Menschen aus dem Zug ergoß und sich hin zu den zahllosen Rolltreppen bewegte. Er war allein…Ungläubig blickte er sich um und versuchte die letzten 2 Minuten für sich zu ordnen. Offensichtlich hatte der Zünder versagt…An seinen Hosenbeinen machte sich eine warme Feuchtigkeit breit und als er langsam an sich hinunterblickte entdeckte er, dass er wohl beim Auslösen des Zünders eingenässt hatte…hysterisches Lachen überkam ihn und Tränen brachen aus ihm heraus. Er setzte sich auf einen der Plastiksitze und vergrub seinen Kopf im Schoß. So verging endlose Zeit. Hamid spürte wie sich eine Hand auf seine Schulter legte.  “ Hombre , que tal ? „, hörte er eine tiefe Stimme fragen. Langsam blickte er auf. Es war der Zugführer. Die Endstation lag schon ein ganzes Stück zurück und Hamid war vor dem Zugdepot, weit ausserhalb der Stadt gelandet.  Höflich aber bestimmt forderte der Zugführer ihn auf den Zug zu verlassen. Als Hamid sich erhob bemerkte er mit einem Kopfschütteln Hamid’s nasse Hose. “ Qué mala suerte „, murmelte er und begleitete ihn aus dem Zug. Da stand er nun…einsam, vollgepinkelt, orientierungslos und ohne eine Spur von Pathos zwischen den Gleisen vor einem riesigen Zugdepot irgendwo im Niemandsland… In diesem Moment war er wohl der einsamste Mensch der Welt…

Globalautist

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