von Gabriele Wolters-Lukassek

Dialog

Bild links:  DIALOG von Gabriele Wolters-Lukassek

Benommen und mit mechanischen Schritten stapfte Hamid zwischen den Gleisen der Morgensonne entgegen.. Seine Augen schmerzten von der Sonne, die sein ganzes Elend gnadenlos wie ein Bühnenspot in grelles Licht tauchte. Mit der rechten Hand tastete er im Innern seiner Jacke nach der Ray Ban Sonnenbrille doch ausser seinem Sprenggürtel konnte er nichts unter seiner Jacke finden. Wie im Trance löste er die Gürtelschnalle und lies den Gürtel einfach auf den Schotter zwischen den Gleisen fallen. Ein Vorortzug raste auf einem Nebengleis in nur 2 Metern Abstand an ihm vorbei ohne dass er irgendeine Regung zeigte. Mit eigentümlichen Bewegungen einem Katatoniker gleich, gepeinigt und getrieben von Krämpfen und Wahnvorstellungen in völliger innerer Dunkelheit um sich selbst und seine multiple Persönlichkeit kreisend,  setzte er einen Fuss vor den anderen. Es war 11 Uhr vormittags, die Füsse schmerzten heftig und die Haut auf seinem Gesicht brannte, als er wieder einigermassen zu sich kam und im Hier und Jetzt landete.  Beamte der Guardia Civil nahmen ihn vor einer Haltestation ausserhalb Barcelona’s mit sorgenvollen Mienen in Empfang und geleiteten ihn fast sanft aber bestimmt in ihren grün-weissen Mercedes SUV. Einer der drei Beamten blieb hinten bei ihm auf dem Rücksitz und schaute von Zeit zu Zeit mit prüfendem Blick zu ihm herüber. Draussen rasten die langweiligen Vororte an Hamid vorbei ohne dass er ein einziges Mal aufschaute. Irgendwo, noch immer weit ausserhalb des Zentrums hielt der Wagen am Tor eines weitläufig umzäunten Geländes. Nachdem der Portier das Tor geöffnet hatte und mit dem Fahrer ein paar Sätze austauschte, warf er einen prüfenden Blick auf Hamid und öffnete eine Schranke.  Zwischen Bäumen ging es mehrere hundert Meter eine Anfahrt leicht bergauf.  Der Mercedes der Guardia Civil hielt vor einem gepflegten üppigen Gebäude im kassizistischen Stil mit grosser Freitreppe. Auf der Treppe standen aufgereiht wie ein Empfangskomitee mehrere im weiss gekleidete Personen. Nachdem der Fahrer irgendetwas Unverständliches gebrummelt hatte übergab er dem Beifahrer ein Papier worauf dieser ausstieg und Hamid und seinen Bewacher auf der Rückbank hinauswinkte. Eingerahmt zwischen den beiden Grünuniformierten stieg Hamid die Treppe hinauf, wurde von den “ Weissen “ in einen Rollstuhl genötigt und in eine Art Behandlungszimmer gefahren. Ein Pfleger zog ihm unsanft die Jacke aus und krempelte den rechten Ärmel seines Hemdes hoch. Willenlos lies er Alles mit sich geschehen, hörte irgendwas von „… Haldol… “  und „…besser höher Dosieren …“  Plötzlich spürte er einen Stich … Kurz darauf hüllte sich Alles um ihn in Watte…

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