Bild links: Hoffnung von Gabriele Wolters-Lukassek

B. schloß nur für einen Moment die Augen. So kam es ihm jedenfalls vor. Plötzlich fühlte er eine Hand an seiner Schulter. Ein bebrillter Herr mit Aktentasche fragte ihn nach seinem Befinden. Als B. in seinem wirren Kopf so etwas wie eine Antwort zurechtgelegt hatte, hörte er auch schon die Sirene. Ein Krankenwagen fuhr vor. Der Notarzt stellte ihm einige Fragen auf Spanisch von denen er auch nicht eine einzige beantworten konnte. Sein “ Retter “ runzelte die Stirn und winkte die Besatzung des Krankenwagens herbei. Kurz darauf fand sich B. angeschnallt auf der Trage wieder und wurde ins Innere des Krankenwagens gebracht, der kurz darauf ohne Sirene davonfuhr. Der Arzt legte seinen Oberarm frei und setzte eine Spritze.  B. entspannte sich und starrte während der ganzen Fahrt lächelnd an die Deckenbeleuchtung des Rettungsfahrzeugs. Das grelle Licht verschwamm irgendwie mit dem Rest zu einer riesigen Sonne…Als sein Kopf vor die linke, hintere Tür des Krankenwagens schlug schreckte er aus seinem Dämmerzustand hoch.Man trug ihn in ein grosses Gebäude. Direkt links hinter dem Haupteingang befand sich so etwas wie eine Ambulanz die allerdings auffallend wenig medizinische Geräte vorzuweisen hatte. Langsam beschlich ihn das Gefühl , dass die Dinge einmal mehr in seinem Leben einen Verlauf nahmen den er nicht beeinflussen konnte. Für einen Moment befand er sich mit einem Pfleger allein im Raum. Beide warfen sich einen prüfenden Blick zu. Kurz darauf öffnete sich die Tür und ein mittelgrosser Herr in den Fünfzigern mit weissem Kittel, Halbglatze und Notizblock trat ein. Mit einer kurzen Handbewegung  bedeutete er dem Pfleger vor der Tür zu warten. Mit Schwung setzte er sich auf einen Drehstuhl, schlug die Beine übereinander und zog eine Kugelschreiber aus der Seitentasche seines Kittels. “ Sie sind Deutscher ? „, fragte er mit einem Lächeln. “ Äh, ja…“, stotterte B.  “ Ich bin Dr. Gonzalez und meines Zeichens Psychologe. Nehmen Sie Drogen ?“.  Diese Frage machte B. von Null auf Hundert hellwach. “ Selbstverständlich nicht ! „, antwortete er mit gespieltem Entsetzen. “ Also nicht ?“, forschte dieser Gonzalez nach. “ Nein, nein, wie kommen sie auf so einen Mist und wo bin ich überhaupt ?“. B. hatte sich bei seiner Frage halb von der Krankentrage aufgerichtet. “ Sie befinden sich hier in der Psychiatrie von Montcada am Rande Barcelonas. Man hat sie zu uns gebracht wegen Verdacht auf Drogenmißbrauch und Suizidgefährdung. Bei ihrem Zustand und Erscheinugsbild scheint mir dieser Verdacht mit Verlaub auch sehr angebracht.“  B. saß mittlerweile auf der Krankentrage, raufte sich die Haare und begann unruhig mit dem Oberkörper hin und her zu wippen. Die Räder des Gestells  unterhalb der Trage begannen mit jeder Bewegung zu quietschen. “ Ich, …ich muss gestehen mir geht es tatsächlich nicht sonderlich gut und ich hab‘ die Nacht durchgemacht. Das berechtigt Euch doch nicht mich einfach einzukassieren und in eine Irrenanstalt zu stecken !? Ich bin weder verrückt, drogenabhängig noch suizidgefährdet,“ log er , wobei ihm der kalte Schweiß auf der Stirn stand. Dr. Gonzalez blickte bohrend über den Rand seiner Brille: “ So, so ! Nun, wir möchten sie sicherheitshalber zur Kontrolle etwas hierbehalten und gründlich untersuchen. Aufgrund des Verdachts auf Drogenmißbrauch sowie der Suizidgefährdung müssen wir das sogar !“ B. gab sich geschlagen. Er fiel sprichwörtlich in sich zusammen. Mit matter Stimme fragte er: “ Wie lang ?“.  “ Nun, ich denke 24 Stunden werden reichen um sie durchzuchecken und danach evtl. ohne schlechtes Gewissen wieder zu entlassen, “ entgegnete Dr. Gonzalez  und fasste B. zur Beruhigung auf die Schulter. “ Ich werde nun den Pfleger wieder hereinbitten. Wir sehen uns erst gegen Mittag wieder. Meine Kollegin Fr. Dr. Lopez  wird gleich einige Tests mit ihnen machen. Sie ist nett. Seien sie auch freundlich zu ihr wenn’s geht !“, sagte Gonzalez und verließ mit wehendem Kittel das Zimmer. “ Schöne Scheisse „, sagte B. zu sich und legte die Hände in den Schoß. Der Pfleger kam wieder herein, stellte sich vor die Tür und blickte auf den Boden…

Globalautist

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