Rock n' Roll will never die...

Neulich war’s wieder soweit. Durch gewisse Umstände sah ich mich trotz Kater, verursacht am Abend zuvor, zum Besuch einer Musikveranstaltung in der Rock Diaspora meines Heimatstädchens genötigt. Oder sagen wir es so: Ich war zu schwach mich gegen den Lauf der Dinge zu wehren. Ergo nimmt das Unglück seinen Lauf. Schon bei der Ankunft zieht mich die “ Location “ wie man heute sagt mit ihrem kaputten Charme in den “ Bann“. 70 Jahre Architektur at it’s Best ! Das Ambiente eines Kühlschranks läßt dann auch recht zügig die letzten hitzigen Rock N‘ Roll Phantasien eines 52 jährigen gefrieren. Im Foyer des Kühlschranks mehr Personal als Gäste. Was die Letzteren betrifft, so hatten die Anwesenden inklusive meiner Wenigkeit ihre beste Zeit wohl ebenfalls in den Siebzigern, also im Hinblick auf die Architektur durchaus passend. Dann ab in den Saal: in einer Art Bahnhofswartehalle verlieren sich zunächst ca. 20-30 Leute, zum Teil an schicken Stehtischchen festgetackert, eingerahmt von einer Bühne und 3 Theken mit dem üblichen Sortiment an Bölkstoff, Phosphatstangen (im Volksmund auch Bockwurst genannt…) etc.  Dazwischen ich und Anhang. …Erster Schock überwunden: Schnell ein Bier !. Ein ausgeklügeltes Bon-System zwingt mein gemartertes Hirn zu einem Exkurs in die Grundrechenarten…Eine Rockabilly Band beginnt den Abend. Dazu wirbelt der weibliche Bandanhang seine Petticoats und ein zappliger, untersetzter Herr wird “ rösisch“ wie man in Köln sagt und fordert alles Weibsvolk was nicht schnell genug wegläuft zum Tanz auf. Von dem Gezappel werde ich nun wieder ganz hibbelig und brauch‘ ein weiteres Bier.  Hail, hail Rock ’n Roll! Süß ! Kürzlich sah ich den Spruch “ Hip Hop ist tot ! „ über einem Pissoir. Was ist dann der Rock N‘ Roll ….??  Außerdem: Wer zum Teufel hat der Band gesagt, dass sie vor dem Gig Valium nehmen soll ? Nach gefühlten 2 Stunden hat die halbherzige Wiederauferstehung des Rockabilly dann doch ein Ende. Wer nun glaubt das Schlimmste sei hiermit durchgestanden, der irrt an dieser Stelle ! Mainact des Abends ist die obligatorische Coverband mit dem Achtziger- Neunziger Tophit Programm ! Die spieltechnisch durchaus  fitte und muntere Kapelle nudelt sich durch den Set. Der Bandleader, Lokalmatador und  Gitarrengniedler, trägt sein Spielgerät  auf dem Bauch. Die flinken Wurstfinger fahren mit einer Geschwindigkeit übers Griffbrett, als wolle er Schumi schlagen …Gleich wird er sagen: “ Erster ! „.  Der Leadgesang kommt von einem jungen Herrn + 2 Ladies, wahrscheinlich aus dem Sonnenstudio, dem Friseurladen oder der Parfümerie Douglas rekrutiert…dazu Bass & Drums. „ Wulle wuh kuschee awäk mua, sösswa ? “ Nee ! Ich zieh‘ die Option Achtung blödes Publikum , denn ich brauch‘ schnell noch ’n Bier und verziehe mich ins Foyer der “ Location“. Mittlerweile ist dort mehr los als vor der Bühne…

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